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Die Ursachen von Flucht und erzwungener Migration

Tamara Candela de la Torre/Fachpromotorin Migration, Diaspora und Entwicklung

In den vergangenen Jahren ist die Zahl flüchtender Menschen stetig gestiegen. Laut dem UNHCR-Bericht von 2015 zu "globalen Trends" waren Ende 2015 fast 65,3 Mio. Menschen weltweit zur Flucht gezwungen, 21,3 Millionen davon gelten als Flüchtlinge – über die Hälfte von ihnen unter 18 Jahren –, und 10 Mio. Menschen gelten als staatenlos. 54% der Flüchtlinge weltweit kamen in erster Linie aus Syrien, Afghanistan und Somalia. Die meisten verblieben in ihrer Herkunftsregion, bzw. flohen in die Nachbarländer. Während sich in den Regionen des Mittleren Osten und Nordafrika 39% und in Afrika 29% der im Jahre 2015 weltweit zur Flucht gezwungenen Personen aufhielten, nahm Europa 6% von ihnen auf.

Die Länder des globalen Südens charakterisieren sich zumeist durch Diktaturen, korrupte Regierungen und Institutionen, Ungleichheit in der Verteilung der Ressourcen und soziale Ungleichheit, Armut und Hunger etc. Im folgenden werden die durch diese Faktoren häufigsten Fluchtursachen benannt.

Krieg und Terror und humanitäre Missstände

Krieg, Terror und Verfolgung waren im Jahre 2015 Hauptfluchtursache: mehr als die Hälfte der weltweiten Flüchtlinge kamen (in der Reihenfolge) mit 4,9 Mio Flüchtlingen aus Syrien, mit  2,7 Mio. aus Afghanistan und 1,1 Mio. aus Somalia (UNHCR, global trend, 2015). Diese Länder befinden sich seit Jahren in Kriegszuständen. Die aktuellen Problemlagen sind durch Diktaturen, Terrorismus und/oder ethnische Konlikte verursacht. In der Folge kommt es in den Konfliktgesellschaften zu humanitären Missständen, der Zerstörung von Lebensraum, zu Armut und Hunger und damit zur Bedrohung des Lebens – so dass den Menschen keine Möglichkeit bleibt außer zu fliehen.

Die Statistiken demonstrieren eine verheerende – aber nicht unvorhersehbare – Entwicklung sowie eine Krisensituation globalen Ausmaßes.

 

Klimawandel und Umweltmigration

Es sind vor allem die Regionen des globalen Südens, die vom Klimawandel und durch diesen verursachte Naturkatastrophen betroffen sind: Die Menschen leiden unter Hitzewellen, einem Mangel an Regen, und allgemeiner und zunehmender Wasserknappheit. Dies führt zu einem dramatischen Verlust von Ernten und zu Zerstörung und Verlust von Böden, was somit die Ernährungssicherheit der Bevölkerung gefährdet. Hinzu kommt, dass Naturkatastrophen humanitäre Katastrophen verursachen, da sie Wohnraum zerstören und sich aufgrund mangelnder hygienischer Bedingungen Krankheiten verbreiten können.

Der fehlende Zugang zu Trinkwasser und damit die gefährdete Sicherstellung einer gesunden Ernährung sind die aktuell wichtigsten und brisantesten Problematiken für die Länder des globalen Südens.

Weitere Push-Faktoren für die Umweltmigration sind sie Tatsachen, dass Wasser eine Grundvorraussetzung für die Schaffung und den Erhalt von Arbeitsplätzen ist, und dass Ressourcenknappheit Konflikte und Kriege verursacht oder verschärft.

 

"Wirtschaftsflüchtlinge"

Viele Menschen weltweit fallen wirtschaftlichen Notsituationen zum Opfer, in denen Ernährungs- und Existenssicherheit nicht mehr gegeben sind. Freihandelsabkommen, zum Beispiel mit der EU und deren Mitgliedstaaten, haben einen Teil an den Problematiken der Länder.

Die Problemlagen z.B. in vielen afrikanischen Ländern sind zum Teil auf Freihandelsabkommen (z.B. EU) und Strukturanpassungsmaßnahmen (IWF und Weltbank) zurückzuführen. Die mit den Freihandelsabkommen einhergehende Marktöffnung der Staaten für europäische Produkte zerstört die inländische und internationale Wettbewerbsfähigkeit der einheimischen auf dem Markt. Die Einführung von zum Beispiel hochsubventionierten EU-Agrarprodukten hat desaströse Auswirkungen auf lokale Agrarsektoren.

Ebenso sichern Abkommen zur Fischerei das Recht europäischer Fischereiflotten im Senegal, sich quasi uneingeschränkt der dortigen Fischbestände zu bedienen. Folge ist, dass die lokale Fischerei zugrunde geht und in erster Linie junge Menschen jegliche Perspektive verlieren und zur Migration gezwungen sind.

Auch das Land-Grabbing (in diesem Fall die Landnahme oder der Landraub durch ausländische Investoren von Agrarland zum Anbau landwirtschaftlicher Produkte) hat schwerwiegende Auswirkungen auf die einheimischen Bevölkerungen , da somit landwirtschaftliche Anbaufläche und folgend die Existenzsicherung verloren gehen.

Die im Jahr 2015 von den Vereinten Nationen erklärten internationalen Entwicklungsziele der Sustainable Development Goals (SDGs) sollen leitgebend sein für eine umfassende Verbesserung der Nachhaltigkeit und der Entwicklungspolitik und -arbeit. Folglich dienen sie auch der Bekämpfung der Ursachen von Flucht. Die Themenbereiche sind u.a. Armut, Hunger, Gesundheit, Bildung, Wasser, Klima, Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen. Jedoch bleibt die Frage, inwiefern und in welchem Zeitraum diese Ziele umsetzbar sind.

Quellen:
"Die Welt im Wasserstress. Wie Wasserknappheit die Ernährungssicherheit bedroht. In: Analyse 49, Brot für die Welt – Evangelischer Entwicklungsdienst, Evangelisches Werk für Diakonie und Entwicklung e.V. Berlin, Berlin, März, 2015.

"Niemand flieht ohne Grund", In: Das Magazin der Heinrich-Böll-Stiftung. Böll THEMA,  Ausgabe 3, 2014.

Internet
https://www.freitag.de/autoren/julius-wolf/weshalb-fliehen-menschen?seite=2 (eingesehen am 04.09.2016)

https://www.unesco.de/wissenschaft/2016/wasser-ist-schluessel-fuer-arbeitsplaetze-und-wachstum.html (eingesehen am 06.09.2016)

 

Nähere Informationen zu den Fachpromotorinnen für Migration, Diaspora und Entwicklung, Adlina Alemayehu und Tamara Candela de la Torre, finden sie unter http://www.ewnw.de/PPMigration